Buntes Universum

Klaus Bunte – Schauspieler, Kabarettist, Journalist

Die satirische Jahresvorschau für den Kreis Soest

 

 

KREIS SOEST – Man kann nicht behaupten, es wäre wenig los gewesen in Soest, Werl und Warstein in den vergangenen zwölf Monaten. Wie mag es weitergehen? In die Zukunft schauen kann ja leider niemand. Oder etwa doch? Nach langer und intensiver Suche hat der Stadtanzeiger Deutschlands bekannteste und einzige zuverlässige Kirmes-Wahrsagerin ausfindig gemacht. Donata O. Rakel (99) lebt mittlerweile im Ruhestand unter dem Pseudonym Waltraud Klapschinsky in einem Altersheim im Kreis Soest, hat auf unser Drängen hin aber noch einmal den einen oder anderen Blick in ihre große Kristallkugel gewagt. Dies sind ihre Weissagungen für Soest, Werl und Warstein. Den ganzen Beitrag lesen »

Die Jalousien zu und alle Fragen offen

 

Der Anruf, den ich am späten Abend auf meinem AB abhöre, ist aus irgendeinem Grund völlig verzerrt. Den Namen der Anruferin und dass sie aus Bad Sassendorf kommt, verstehe ich so gerade eben noch – doch nach dem "ich rufe an wegen" ist völlig Schicht im Schacht. Den ganzen Beitrag lesen »

Falsche Kotellets und anderes totes Getier

Im Herzen eines Gewerbegebiets und im Einzugsgebiet von Klinikum und FH-Mensa haben wir hier in der Redaktion eine rechtgroßzüge Auswahl an Möglichkeiten, wenn es darum geht, die mittägliche Vakanz im Magen zu verfugen. In dieser Woche stellen die Speisepläne jedoch auch die kampferprobtesten Kantinen-Gänger vor kognitive Herausforderungen. Da gibt es den „Mürrepott“ – aber wenn ich mürrisch sein will, brauche ich bloß auf den ersten Morgenkaffee zu verzichten. Außerdem im Angebot: die „Kölsche Pizza“, offenbar die Italiovariante des „Halben Hahns“, ferner „selbst marinierte Chicken Drumsticks“, also Hühnchen, die sich vor ihrem Ableben noch selber mit Soße übergossen haben, um doch nur als Schlagzeugstöcke zu enden, und „Omas Reitersuppe mit Hackfleisch“, die sicherlich umso eisenhaltiger wird, dreht man die Hufeisen mit durch den Wolf. Aber was bitte schön ist ein „Falsches Kotelett“? Wikipedia beschreibt es als „in Scheiben geschnittene und panierte Scheibe vom Kuheuter“. Die Extraportion Milch hole ich mir lieber aus dem Süßwarenregal. Doch an der Theke die Entwartung: Es ist „nur“ panierter Schweinebauch. Ich bleibe dennoch bei der Bratwurst. Da weiß ich zwar auch nicht, was drin ist und nicht rein gehört, weiß aber, das sie drin bleibt, wo sie rein gehört. – kb

 

Soester Anzeiger vom 20. Oktober 2011

Gut getrötet, Löwe!

Als neue Nachbarn einzogen, dachte ich zuerst, die hätten was Falsches gegessen. Bis ich merkte, dass die an schwere Flatulenzen erinnernden Geräusche aus dem Haus gegenüber nur der Vuvuzela des Sohnemanns entstammten. Als dann auch noch mein Vermieter seinem Knirps so eine Tröte kaufte, Den ganzen Beitrag lesen »

Genealogie schwer gemacht

 

Auf dem Heimweg von einem samstäglichen Kulturereignis werden wir von einigen Jungs angesprochen – leicht angesäuselt, aber höflich: "Dürfen wir Ihnen mal ne Frage stellen?" Na klar doch, vermutlich wollen sie wissen, wie viel Uhr es ist oder ob wir mal Feuer haben oder wo man um die Zeit noch was zu essen herbekommt. Alles falsch: "Wenn man Zwillinge bekommt, kann man beiden dann denselben Vornamen geben?" Gut, es gibt Fragen, die man von Pubertierenden am Wochenende nach Mitternacht durchaus erwartet – diese gehört nicht dazu. Es gibt Fragen, auf die käme ich im Leben nicht – diese gehört eindeutig dazu, und viel interessanter wäre es an dieser Stelle für mich gewesen, zu erfahren, wie um alles in der Welt die gerade auf diese Schnapsidee gekommen sind. Doch da sich ad hoc keine befriedigende Antwort auf dieses drängende Frage findet, befrage ich daheim das allwissende Google-Orakel und siehe: Im Internet ranken sich ganze Foren um eben diese eine Frage. Daraus ergibt sich, dass das Bayrische Oberlandesgericht schon 1985 entschieden hat, dass Kinder ein und desselben Elternpaares nicht denselben alleinigen Vorname haben dürfen, damit sie in Urkunden auch ohne Angabe des Geburtsdatums voneinander unterschieden werden können. Und wenn man selbst im Bayern der Strauß-Diktatur die Individualität des Kindes schützte, dürfte man sie wohl auch nördlich des Weißwurstäquators mindestens eben so hoch einschätzen – die hat schließlich schon genug unter dem "Kevinismus" der letzten Jahre gelitten …

 

 

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Fressen für den Deutschen Fußball

Manchmal packt mich ja auch der süße Zahn. So kann ich der Verlockung nicht widerstehen und greife beim letzten Besuch im Konsumgütertempel meines Vertrauens gleich zu einem Fünferpack jener Schokoriegel, dessen Hersteller schon Generationen naiver Eltern vor meiner Zeit erfolgreich vorgaukelte, sie würden ihren Kindern eine Extraportion Milch zuführen, wenn sie sie mit Zeug mästen bis zum Anschlag. Aber’s schmeckt halt gut.

Doch offenbar reicht die Extraportion Kuhsaft nicht mehr aus, um dem Kunden ins Netz zu bekommen. Unlängst nötigten sie die Kundschaft zum aggressiven Aufreißen der Packung, um einen schwer lesbaren, innenseitig aufgedruckten Code zu entziffern, den es im Internet einzugeben galt – den Weg zum Formular musste man sich Mal ums Mal über immer ein und dasselbe dumme Spiel erkämpfen, in dem man die Kerzen einer Geburtstagstorte mit einer Windmaschine auspusten sollte. Offenbar war man sich bei Ferrero der Tatsache bewusst, dass einem bis Oberkante Unterlippe mit Ü-Eiern vollgestopftem Klientel dazu selber die Puste fehlt. Dann gab man den Code ein und hatte dennoch nichts gewonnen. Nur verloren. Wertvolle Zeit. Und danach aus Frust gleich noch eine Tafel hinterher gestopft. Wieder ein neuer Code. Wieder ins Internet. Ein Teufelskreis. Den ganzen Beitrag lesen »

Schuld und Sühne

Und da wäre noch das starke Empfinden der Amerikaner für Sitte und Moral. Erst wurde im texanischen Waco ein Vierjähriger von der Vorschule suspendiert, weil er eine Frau umarmt und dabei ihre Brüste berührt hatte, dann meldete die AP, dass ein Lehrer gefeuert wurde, weil er seine Schüler im Biologieunterricht Genitalien zeichnen ließ. Um die Amerikaner (und den Rest der Welt) vor den Folgen derer Kenntnis ihrer eigenen Zeugungsfähigkeit zu bewahren, ergreift George Bush bereits schwerwiegende Maßnahmen. In einem ersten Schritt hat er das ganze Land mit DDT überziehen lassen, um es von sämtlichen Bienchen und Blümchen zu bereinigen. Gestern wurde ein Bautrupp abkommandiert, um den steil gen Himmel erigierten rechten Arm der Freiheitsstatue zu senken und entsprechend der politischen Gesinnung des Führers der freien Welt in einen rechten Winkel zu bringen. Für die Schulen wird eine geschlechtsneutrale Uniform verordnet, vom US-Präsidenten selber originalgetreu afghanischen Trachten nachgebildet. Der Verzehr von Bananen auf offener Straße kann einen mehrjährigen Aufenthalt in Guantánamo nach sich ziehen. Abschließend wird ein Grenzwall einmal von Norden nach Süden durch die USA gezogen, der Männer und Frauen voneinander trennt. Der Nachwuchs wird direkt im Reagenzglas gezeugt, in die eine gute Portion Wüstensand gemischt wird: Damit die lieben Kleinen sich schon einmal an die Umstände ihres Einsatzes im Irak im Jahre 2025 gewöhnen können. 

 

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Wuschig macht mutig

Vorreiter in unsinnigen Studien sind ja bekanntermaßen die Amerikaner. Das haben sie nun erneut bewiesen: Welt Online schreibt: "In einer Studie der amerikanischen Universität Stanford wurde festgestellt, dass Männer, die eine sexy Frau gesehen haben – und sei es auch nur auf dem Papier -, bereit sind, größere Risiken einzugehen. Der Forscher Brian Knutson, Assistenz-Professor für Psychologie und Neurowissenschaften, gab seinen männlichen Testpersonen zehn Dollar und ließ sie ein Spiel spielen, bei dem sie entweder zehn Cent oder einen Dollar setzen konnten. Die Männer, denen vorher ein erotisches Foto gezeigt wurde, griffen viel öfter zum Dollar als ihre unvoreingenommenen Geschlechtsgenossen."

Nun, so neu ist die Erkenntnis, dass der Verstand aussetzt, wenn ihm das Blut fehlt, doch nun auch nicht. Da können die letzten Gehirnzellen, durch die noch ein paar Tröpchen rinnen, noch so laut ausrufen: Hey, Blut, kommst Du wohl wieder hoch? Der oder besser gesagt das Angesprochene wird nur antworten: Nix da, ich bleib hier unten, da bleibt mir das Foto von Pam Anderson länger im Gedächtnis. Den ganzen Beitrag lesen »

Stoibers Comeback

Eigentlich wähnten wir ihn ja auf und davon, mit dem Transprapid nach nirgendwo, oder auch Brüssel. Der Edi, der Stoiber. Doch man geht ja bekanntlich niemals so ganz: Dani Levy, dessen umstrittener Hitlerfilm „Mein Führer“ mit Helge Schneider in der Titelrolle vor einigen Monaten die Geister schied, will dem größten Redner seit Cicero sein verdientes filmisches Denkmal setzen, das ganze unter dem Titel: „Mein Ministerpräsident“. Gezeigt werden sollen die letzten Stunden vor Stoibers Rücktritt im Wolfratshausener Ministerpräsidentenhauptquartier. „Ich will zeigen, dass auch Stoiber nur ein Mensch ist – und nicht bloß der rhetorische Kniefall Bayerns vor der Pisastudie“, so der Regisseur. „Es geht mir nicht darum, ihn zur Witzfigur zu degradieren. Stoiber in dieser Disziplin zu übertreffen, schafft auch der beste Schauspieler nicht.“

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Furzende Fische

Mitunter lernt man noch dazu durch die Post, die bei mir so in den Briefkasten flattert. Vielleicht nicht immer durch den Inhalt, dafür dann aber durch das Motiv der Postkarte. „Heringe kommunizieren übrigens durch Furzen“ steht auf der Werbepostkarte eines Mobilfunkanbieters. In der Tat: Eine Internetrecherche ergibt, dass pazifische Heringe mit dem Anus Flatulenzen von bis zu acht Sekunden erzeugen, die sich über drei Oktaven erstrecken. Mariah Carey schafft fünf. Allerdings nicht mit dem gleichen Körperteil, auch wenn es manchmal so klingen mag. Dieses Wissen eröffnet ganz ungeahnte Möglichkeiten. Aquaristikfreunde können nach Genuss einer deftigen Zwiebelsuppe endlich zu ihren glitschigen Kumpanen ins Glas steigen und mit ihnen in den Dialog treten. Und wer vor dem Besuch des örtlichen Spaßbades zu viele Hülsenfrüchte zu sich genommen hat, kann ja im Falle aufsteigender Blasen im Wasser behaupten, „dass da wohl irgendein Idiot einen Hering ausgesetzt hat.“ Was allerdings unweigerlich eines zur Folge hätte: In den Whirlpool wagt sich danach keiner mehr.

 

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