Buntes Universum

Klaus Bunte – Schauspieler, Kabarettist, Journalist

Hofnärrin statt Prinzessin


Mirja Boes gastierte mit ihrem neuem Programm in der Stadthalle – Sympathische TV-Komikerin kam als weiblicher Mario Barth daher

SOEST – 700 Zuschauer. Stolze Leistung. Und das gerade einmal mit dem zweiten Soloprogramm. Bei Mirja Boes lief es eben anders herum. Als früheres Mitglied der leicht geschürzten Spice-Girl-Verballhorne „Die Fabulösen Thekenschlampen“, mit denen sie sich mal bei einem Auftritt auf der Soester Allerheiligenkirmes einen abbibberte, als Improtheaterspielerin und als Ballermann-Sängerin „Möhre“ (ihr verdankt die Welt die „20 Zentimeter“) hatte sie zwar schon einige Bühnenerfahrung sammeln können, wurde aber fürs Fernsehen entdeckt und begann erst danach, solo auf Tour zu gehen. Am Donnerstag kam sie mit ihrem zweiten Programm in die Stadthalle – einen Tag vor der Ausstrahlung einer Aufzeichnung bei RTL in einer deutlich aufwendigeren Kulisse.

700 Leute, die sich zwei Stunden königlich darüber amüsieren, wie die 39-Jährige sich non stop zum Affen macht. Denn wenn Mirja Boes eines perfekt kann, dann das – weil sie es gerne tut, es ihr Naturell ist, und das ist selten bei weiblichen Komikern und ein Grund dafür, dass sie so beliebt ist. Ein Kumpeltyp, mit dem man auch mal ein Bier heben würde. Eine, die nicht versucht, ein Prinzesschen zu sein, sondern die Rolle des Hofnarren bevorzugt. Eine, die selber darüber Witze macht, dass sie nach der Geburt ihres ersten Kindes vor fünf Monaten etwas rundlicher und ihre „Geburtsschlacke“ noch nicht los geworden ist.

Das überschattet viele Schwächen ihres Programms „Erwachsen werde ich nächste Woche“. Der Titel ist ihr auf den Leib geschrieben, sie zeigt sich als Frau, die keine Lust hat, seriös zu wirken und viel lieber Flausen im Kopf hat, daher einfach mal vorführt, was für einen Krempel sie sich kauft, zum Beispiel eine alberne Mütze in Form eines Brathähnchens, oder sich auch eine Erwachsenenwindel über den Kopf stülpt, weil sie die angeblich als Windschutz auf dem Fahrrad benutzt.

Wirklich geistreich ist das alles nicht – nicht einmal im Ansatz. Oder anders ausgedrückt: Wer Humor à la Loriot, Hildebrandt oder Malmsheimer möchte, ist gut beraten, daheim zu bleiben. Wer hingegen Mario Barth mag, ist bei Mirja Boes optimal aufgehoben – zum Teil sind ihre Texte die direkte Antwort auf den Berliner, indem sie die Beziehungen zwischen Mann und Frau aus weiblicher Sicht angeht und dabei den Mann bloßstellt. Dabei spricht sie zu schnell und zu undeutlich, in den hintersten reihen geht einiges verloren. Immerhin wirkt sie dabei sympathisch.

Zwei Stunden lang untermauert sie, warum sie immer noch eine kindliche Natur hat, holt allerlei Krempel aus großen Kisten, der das untermauern soll, von der blinken Prinzessinnen-Krone übers Puppenhaus bis hin zu einer Panflöte aus Jägermeisterflaschen. Sie holt eine Frau aus Ense auf die Bühne, die klagt, sie habe von ihrem Mann zum Hochzeitstag einen Plastikblumenstrauß von der Tankstelle bekommen – der beste Gag des Abends. Der Gatte und noch ein Opfer müssen schließlich zum Abschluss auf die Bühne, sich blöde Mützen aufsetzen und Boes über einen Ventilator mit Konfetti bombardieren, während sie einen männerfeindlichen Song ablässt. Naja. Über Humor lässt sich eben streiten. – kb

 

 

Druckfassung Druckfassung

Bewerte diesen Artikel:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Durschnittliche Bewertung: 5,00 von 5)

Loading...

Einen Kommentar schreiben



Klaus Bunte

Erstelle dein Profilbanner

Copyright © 2017 by: Buntes Universum • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.