Buntes Universum

Klaus Bunte – Schauspieler, Kabarettist, Journalist

„Ich bin nicht schnell – um mich herum ist alles etwas langsamer“

Interview Comedy-Star Ralf Schmitz beweist auf der Bühne sein Improvisationtalent

 

Soest. Er ist so etwas wie der Wirbelwind unter Deutschlands Top-Comedians: Ralf Schmitz, der immer unter Strom zu stehen scheint, sich beim Sprechen selber überholt und vor allem für eines bekannt ist: Sein großes Improvisationstalent. Bei seinen Shows holt er Zuschauer auf die Bühne oder sich Gegenstände aus dem Publikum, die er spontan einbaut. Wie gut er das kann, beweist er in den kommenden Monaten gleich dreimal in der Region mit seinem aktuellen Programm „Schmitzpiepe“: Am Freitag, 13. September, in der Soester Stadthalle, am Samstag, 16. November, im Maxipark Hamm und am Samstag, 22. Februar, in der Stadthalle Werl. Vier Jahre lang gehörte er dem Ensemble eines der angesagtesten Improvisationstheater an, der Bonner „Springmaus“. Darüber, wie sich diese Erfahrungen auf seine spätere Karriere auswirkten, sprach er vorab am Telefon mit Stadtanzeiger-Mitarbeiter Klaus Bunte – und sprach dabei erstaunlich ruhig.

 

Herr Schmitz – sie können ja tatsächlich langsam sprechen!

Ralf Schmitz: Für mich selber rede ich ja normal. Das war ja keine Erfindung, das war schon immer so. Ich empfinde mich auch nicht als schnell. Um mich herum ist einfach alles etwas langsamer.

 

Sie kommen von Improvisationstheater. Wo kommen einem Komiker diese Erfahrungen zugute?

Ralf Schmitz: Wenn man das längere Zeit macht, verliert man die Angst, dass man unvorhergesehene Dinge nicht meistern kann. Man geht beim Improtheater auf die Bühne und spielt Dinge, die einem gerade erst einfallen oder die aus der Situation heraus entstehen. Das kann man auch von der Bühne ins Leben übertragen. Man fragt sich nicht mehr, was soll ich denn bloß machen, wenn. Man überlässt sich dem Leben und vertraut darauf, dass einem schon etwas einfällt und glaubt an seine eigenen Stärken. Ich glaube, das kann Improvisationstheater vermitteln.

 

In Ihrer aktuellen Show haben Sie eine Nummer, in der Sie Gegenstände aus dem Publikum einsammeln und diese in einer Parodie aufs Teleshopping als etwas komplett anderes anpreisen. Befürchten Sie da nie, dass Sie plötzlich etwas in der Hand halten, wozu Ihnen gar nichts einfällt?

Ralf Schmitz: Natürlich gibt es Gegenstände, die sind ergiebiger als andere. Das ist aber nicht schlimm. Mir ist noch nie etwas komplett abgeschmiert. Aber wenn mal was nicht ganz so toll funktioniert, dann macht es das ganze ja nur authentischer. Ich kann aus dem vermeintlich Schwierigen etwas sehr Positives machen und darauf vertrauen, dass die nächsten drei Sachen wieder wunderbar funktionieren. So ist es eben auch im Leben: Ein Auf und Ab.

 

Wie überspielen Sie das, wenn's nicht so toll läuft?

Ralf Schmitz: Es gibt eine Reihe von Formulierungen und Haltungen, mit denen man dann reagieren kann. Wenn ich in der Verkaufsshow eine Pointe bringe, die nicht kommt, dann sage ich: Na das läuft ja super, das nehmen wir wohl besser aus dem Programm. Diese Flucht nach vorne gibt dann den Lacher, ich mache aus etwas vermeintlich Schlechtem etwas Gutes.

 

Sprudeln Sie im wahren Leben auch so vor Ideen oder kommt das nur unter Adrenalin auf der Bühne?

Ralf Schmitz: Ich glaube, das ist nicht zu weit von einander weg. Natürlich renne ich nicht wie ein Flummi durch die Gegend und bespaße dauernd die Leute oder muss permanent Ideen entwickeln – das Energieniveau hält ja kein Mensch durch. Doch der private Schmitz und der Bühnen-Schmitz sind sich sehr ähnlich. Auf der Bühne überspitzt und fokussiert man halt vieles, konzentriert sich auf bestimmte Bereiche. Aber was man sieht, ist echt, das bin ich, ich muss mich nicht großartig verstellen. Ich muss dann auch tagsüber nicht Dostojewski lesen, um einen Gegenpol zu setzen.

 

Normalerweise funktioniert Impro dadurch, dass mehrere geschulte Leute sich die Bälle zuspielen. Sie agieren allein mit einem Zuschauer, der keine Ahnung von Impro hat. Worin liegt der Trick?

Ralf Schmitz: Ich habe mir dazu ganz viele Gedanken gemacht. Mit einem Freund und Regisseur, der auch improbewandert ist, habe ich das geübt. Wie kann man das machen, dass ich, falls der Zuschauer viel macht, damit umgehen kann und es ebenso auffangen kann, wenn nicht viel von ihm kommt? Ich habe es geübt, dass ich im Notfall zwei Personen bin und in dem Fall für den anderen mitdenken kann. Am Anfang war das nicht einfach. Im Team können Sie nachdenken, während Ihr Partner was macht, aber diese Pause habe ich nicht. Jetzt macht es mir wahnsinnig großen Spaß, denn ich habe alles in der Hand – es sei denn, der Zuschauer macht mit, und das macht er ja auch fast immer. Und wenn ich mich auf ihn einlasse, kommt da auch einiges zurück, was ich dann wieder einbauen kann. Dieses Risiko einzugehen, hat sich gelohnt – vom Zuschauer kommt mehr, als man meint, auch wenn er kein geübter Theatersportler ist, der weiß, wie er die Geschichte jetzt vorantreiben kann.

 

Das Fernsehen tut sich schwer mit Impro. Die Schillerstraße war zwar nicht zuletzt auch dank Ihnen ein Hit, aber „Frei Schnauze XXL“ war im Gegensatz zum US-Original kein Knaller und das ZDF erleidet mit „Durchgedreht“ gerade derben Schiffbruch. Was haben die falsch gemacht?

Ralf Schmitz: „Durchgedreht“ habe ich noch nicht gesehen, bisher nur die Kritiken gelesen.Natürlich brauchen Sie für jede Improvisation eine Aufgabe. Politik ist jedoch kein leichtes Thema und sich ad hoc kabarettistische Formulierungen auszudenken, stelle ich mir auch als den Gral der Möglichkeiten vor. Schillerstraße lief so gut, weil man uns einfach hat machen lassen. Man hat uns in eine Situation geschmissen, die den Charakter einer Sitcom hatte, und hat uns hin und wieder kleine Vorgaben gegeben, die wir in diesem Rahmen umsetzen mussten. Die richtigen Darsteller wurden zusammengebracht, Leute, zwischen denen die Chemie stimmte und wenn die dann wissen, was sie tun und dann einfach „machen“, dann kann es gut werden.

 

Wenn Sie die Chance hätten, auf einem Sender Ihrer Wahl ein Improformat einzuführen, bei dem Ihnen keiner reinredet – wie müsste das aussehen?

Ralf Schmitz: Die Frage habe ich mir sogar selber schonmal gestellt. Es müsste so ähnlich sein wie die Schillerstraße, vielleicht sollte man auch die Zuschauer mehr einbinden.

 

Sollte man dann nicht vielleicht weniger auf bekannte und quotenträchtige Comedians setzen, die keine Erfahrung in Impro haben, sondern mehr auf unbekannte Improtheaterleute, wie in der großartigen US-Vorlage zu „Frei Schnauze XXL“?

Ralf Schmitz: Klar, man darf nicht den Fehler machen zu glauben, alle Komiker seien improaffin. Das deckt sich nicht immer. Der Grat zwischen dem Spielenwollen und Spielenkönnen ist bei Impro  sehr schmal. Wenn man all die Dinge, die gutes Impro erfordert, verinnerlicht hat, dann geht das automatisch. Der Mittelweg wäre eine Mischung aus Prominenten und Improprofis.

 

In den einstudierten Teilen Ihrer aktuellen Show dreht sich viel um Ihre Mama, wie auch in Ihrem Buch. Hat die wirklich kein Problem damit, dass Sie ihre mangelnden Fähigkeiten am Herd und mit dem Handy im Fernsehen und auf den Bühnen der Nation an die große Glocke hängen?

Ralf Schmitz: Gott sei Dank nicht. Ich habe ihr das Buch vorgelegt und habe gesagt: Du musst das alles durchlesen. Ich verspreche Dir: Wenn Dir irgendwas davon im Magen liegt, werde ich es ohne jede Diskussion rausstreichen. Meine Mutter hat nicht ein einziges Komma gestrichen. Sie war auch schon in diversen Shows. Ich hole sie zwar nicht auf die Bühne, sage aber, dass sie anwesend ist, und dann brandet tobender Applaus auf. Denn diese ganzen Unzulänglichkeiten meiner Mutter sind natürlich im Grunde sehr charmant. Sie gibt damit zu, dass sie nicht perfekt ist. Und wer ist das schon.

 

Mal angenommen, Ihre Mama würde zum Gegenschlag ausholen und Ihre Macken in einem Buch oder Bühnenprogramm ausschlachten, was würde sie da durch den Kakao ziehen?

Ralf Schmitz: (lacht) Ach Du lieber Himmel. Wohl, meinen Hang zur Perfektion, das Nichtaufhörenwollen, bis alles stimmt. Natürlich die Energie. Meine Unpünktlichkeit. Obwohl, ich habe mich verbessert. Ich bin zwar niemand, der zwei Stunden zu spät kommt. Aber ich bin selten richtig pünktlich.

 

Bei unserem Telefonat waren Sie's. Maximal zwei Minuten.

Ralf Schmitz: Im Beruflichen ist es was anderes als im Privaten. Da kann's schon mal 'ne Viertelstunde werden – was in Italien noch als pünktlich durchginge. Ungeduldig! Man würde es nicht vermuten, aber ich bin bei allem, was ich tue, ungeduldig und suche nach der besten, auch der zügigsten Lösung. Ich mache erst einmal fertig und schiebe es nicht auf. Denn ich brenne für meinen Beruf, daher bedingt sich das natürlich. Und wenn ich dann fertig bin, mit dem, was ich mir vorgenommen hatte, dann kann ich genießen.

 

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