Buntes Universum

Klaus Bunte – Schauspieler, Kabarettist, Journalist

In der „Schule des Sehens“

 

Klaus Jüdes bot im Rahmen der Sommerakademie erstmals Zeichenkursus an

Der Künstler erteilte vier Teilnehmern „Grundlagenforschung der Kunst“

 

SOEST ? Peter Kirschner steht auf dem Schweinemarkt, gleich vor dem Heuss-Park, der Blick wechselt konzentriert zwischen dem letzten Stück der Walburgerstraße, das an der AOK vorbei hinaufführt zum Markt, und seinem Zeichenbrett hin und her. Im Prinzip nicht eben eines der Fleckchen, das einen Künstler ins Schwelgen geraten lässt. Oder doch?

Nein, belehrt Kirschner, es gehe weniger darum, nach Postkartenmotiven zu suchen, als vielmehr den Blick auf das Plastische und Perspektivische zu richten, „und diese Baukörper hier“, so Kirschner, „sind schon recht ungewöhnlich. Aber gleich werde ich mir dennoch die Rathausbögen vorknöpfen. Die sind da doch schon deutlich pitoresker.“

Kirschner kommt aus Münster und ist Maler und Grafiker. Leiter des Wochenendworkshops „Zeichnen“ der Sommerakademie des Kreiskunstvereins und der Kolping-Bildungsstätte ist er jedoch nicht, er gehört zu den Teilnehmern. „Aber bislang habe ich mich eben eher der Natur gewidmet, weniger der Architektur. Ich wollte mich schon seit längerem damit beschäftigen. Und dann stieß meine Frau auf diese Veranstaltung.“

Die wird geleitet von Klaus Jüdes. Der Möhneseer Künstler begleitet die Sommerakademie seit ihren Beginnen vor zwanzig Jahren, aber der Zeichnen-Workshop ist in dieser Form erstmals im Programm. Es haben sich auch nur vier Teilnehmer angemeldet, neben den Kirschners noch zwei aus Soest.

Jüdes: „Zeichen ist im Prinzip die Grundlagenforschung für jede weitere bildende Kunst, aber anfangs nicht mit direkten Erfolgserlebnissen verbunden. Daher sind solche Gruppen meist eher klein.“

Zu Beginn des Workshops zeichnen sich die vier erst einmal „warm“, wie Jüdes es ausdrückt. Dazu hat er einen Berg an Utensilien mitgebracht, diese angeordnet, und sie skizzieren das Arrangement aus allen Himmelsrichtungen. Danach verteilen sich die vier über die Stadt, zeichnen, was ihnen interessant erscheint. Jüdes: „Idylle ist es nicht, was sie einfangen sollen, sondern das Nebeneinander von alt und neu, stürzende Linien, Parallen, die zusammenwachsen, sprich, Fluchtlinien – das ist es, was für das Zeichnen interessant ist.“

Jüdes stellt nur die Aufgabe, geht dann von einem zum anderen und gibt Hilfestellungen, „denn das Tempo, mit denen man seine Skizzen erarbeitet, muss jeder für sich selber entwickeln. Ich ermuntere meine Teilnehmer dazu, ihr eigenes Tempo zu finden und nicht in Nervosität zu verfallen, weil jemand anderes schneller zeichnet. Hierfür muss man erst eine „Muße des Schauens“, des Betrachtens und Sehens kultivieren. Die Schule des Zeichnens ist vor allem auch eine Schule des Sehens. Dies steht unsere schnellen und hektischen Zeit zum Teil diametral gegenüber und bildet für die Teilnehmer auch eine Form der Erholung und einen Gegenpol zu ihrem Berufsalltag.“

 

 

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